Projekt "Schneckenpirsch"

SCHNECKENPIRSCH

Das Jahr 2009 ist ein Darwin-Jahr. Vor 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren. Seine Evolutionstheorie ist heute noch aktuell. Sie hat sich sogar weiterentwickelt und ausgebreitet. Auch Sprachwissenschaftler und Sozialwissenschaftler greifen heute auf die Ideen Darwins zurück. Die Evolutionstheorie ist bleibt aber die zentrale Theorie der Biologie. Was besagt nun diese Theorie?

Darwins Evolutionstheorie war zu seiner Zeit revolutionär, da sie die geltende Lehre auf den Kopf stellte. Bis dahin galt die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel als unantastbar. Gott hat die Welt in sechs Tagen erschaffen und daran gab es nichts zu rütteln. Darwin nun behauptete das Leben habe sich allmählich über Jahrtausende entwickelt und sei nicht das Resultat der Schöpfung Gottes in einer Woche.

Unter Evolution versteht man also den Wandel der Lebewesen und ihrer vererbten Merkmale über viele Generationen. Evolution ist ein sehr langsamer Prozess. Seit der Entstehung der Erde vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren ist jedoch ausreichend Zeit vergangen, damit die Vielfalt der Lebewesen entstehen konnten, die wir heute in der Natur finden.

 

Bänderschnecken sind ein Musterbeispiel für Evolution, weil sie ihre Gene „auf dem Rücken tragen“. Man kann die genetische Zusammensetzung einer Population einfach untersuchen, indem man die Gehäuse-Merkmale anschaut. Schneckenforscher untersuchen die Bänderschnecken seit vielen Jahren.

 

Bänderschnecken sind die Hauptnahrung der Singdrossel. Mit ihren Gehäuse-Farben und Gehäuse-Bänderungen tarnen sie sich in den verschiedenen Lebensräumen. Die Singdrossel ist heute in vielen Gegenden selten geworden.

 

Hat sich die Farbe der Bänderschnecken-Gehäuse und ihr Bänderungsmuster in solchen Gegenden verändert, in denen die Singdrossel selten geworden ist?

 

Ausserdem beeinflusst die Gehäusefarbe die Temperatur der Schnecke. Helle Gehäuse reflektieren die Sonnenstrahlen, während dunkle Gehäuse die Wärme stärker aufnehmen. Im Allgemeinen finden wir dunkle Gehäuse eher im Norden, wo es kühler ist und die Schnecken mehr Wärme benötigen.

 

Haben sich die Gehäusefarben während der aktuellen Klimaerwärmung verändert? Finden wir heute mehr gelbe Schnecken als früher?

 

Zwischen Frühjahr und Herbst 2009 findet ein europaweites Experiment statt. Evolution MegaLab heisst das einmalige Projekt der Open University England, welches in der Schweiz von der Uni Basel und dem Schweizer Vogelschutz begleitet wird. Dabei kann jede und jeder Interessierte mitmachen und die Daten direkt über Internet weitergeben. Dadurch erhofft man sich eine riesige Datenmenge, da für einmal nicht nur Forscher mitmachen, sondern viele interessierte Menschen in ganz Europa.

 

Mit den Klassen 1Sb und 1Sa der Sekundarschule Glarus habe ich mich in den letzten Wochen vor den Sommerferien an diesem Experiment beteiligt. Wir haben Schnecken gesucht, sortiert und gezählt. Vorgängig mussten wir die zwei Arten näher kennenlernen um die es bei diesem Projekt geht: die Gartenbänderschnecke und die Hainbänderschnecke. Natürlich haben wir auch über Schnecken allgemein, ihre Stellung im Tierreich und ihre Bedeutung im Kreislauf der Natur einiges gelernt. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin kam zur Sprache und sogar die Vererbungsregeln von Mendel.

 

Ich habe mit jeder Klasse dreimal während einer Biologielektion Bänderschnecken gesammelt. Rund ums Schulgebäude, nördlich des Sportplatzes, bei der Walzmühle und im Bergliwald. Die Schülerinnen und Schüler waren mit Eifer dabei, auch wenn nicht jede Gruppe gleich erfolgreich war. Es sollten pro Klasse und Gebiet etwa 50 Schnecken gefunden werden, was bei trockener Witterung gar nicht einfach war. Damit die Stichprobe zählte, mussten mindestens 10 Bänderschnecken gefunden werden. Dann wurden sie sortiert: In die eine Schachtel die Garten-Bänderschnecken (Cepaea hortensis) mit der hellen Lippe (=Schalenöffnung) und in die andere Schachtel die Hain-Bänderschnecken (Cepaea nemoralis) mit der dunklen Lippe. Anschliessend gruppierten wir jede der beiden Arten noch nach drei Farben (gelb, pink oder braun) und nach Anzahl der Bänder (keines, eines oder mehrere). Am häufigsten fanden wir von beiden Arten gelbe Schnecken ohne Bänder, am seltensten braune mit einem Band. Unsere Daten habe ich via Internet weitergeleitet. Sie sind auf der Internetseite www.evolutionmegalab.org/de einsehbar.

F. Reust

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