Kids und Alk

«Lieber ein Weichei als abzustürzen»

Alkohol ist keine Lösung: Das Forumtheater rund ums Thema Alkohol und Jugend kam bei den Schülern im Buchholz gut an.

Glarus. - Am Sonntag stand das Thema Jugend und Alkohol im Zentrum der Oberstufe im Buchholz. In Form eines Forumtheaters wurden Szenen aus dem Spannungsfeld Jugend und Alkohol aufgezeigt und deren Konflikte analysiert.

Bis die Situation eskaliert

Dabei ging es vor allem darum, solchen Alltagssituationen auf den Grund zu gehen und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Dies wurde den Schülern aber nicht einfach vorgezeigt wie in einer üblichen Form des Theaters. Die Jugendlichen konnten selber in eine Rolle schlüpfen und die aufgezeigten Szenen der Schauspieler des Theaters «Bilitz» so verändern, wie sie selber in einer solchen Situation reagiert hätten.

Mitwirkende in der ersten Szene waren Mare, der «Big Boss» der Schule, Angie, die Ex-Freundin von Mare, und Tobi, der Klassenbeste. Tobi ist zu Besuch bei Angie zu Hause. Sie lernen gemeinsam für eine Französisch Klausur. Die Situation entwickelt sich so, dass Angie und Tobi nach einem Glas Alkohol. zusammen tanzen. Das Ganze wird aber durch den unerwarteten Besuch von Marc unterbrochen, der Angie zu einem Date ins Kino abholen möchte. Marc ärgert Tobi und zwingt ihn, immer mehr Alkohol zu trinken, bis die Situation eskaliert und Tobi betrunken zu Boden fällt.

Zu dieser Szene zeigten die Schüler klare Meinungen: Besser wäre eine Angie, die sich gegen Marc stellt und ihn wegschickt. Tobi müsse sich selbstbewusster zeigen und sich nicht von Marc dazu zwingen lassen, Alkohol zu trinken. Dies wurde dann direkt auf der Bühne umgesetzt. Gründe, wieso Tobi so viel Alkohol getrunken hat, sahen die Schüler darin; dass er vor Angie cool wirken und kein Feigling oder Weichei sein wollte. Dazu ein passendes Argument eines Schülers: «Lieber ein Weichei als abzustürzen!»

«Die checken einfach nichts»

Ein weiterer Grund, der zum Alkoholkonsum führt, war das Frusttrinken. Dazu passte die zweite Szene: Mitwirkende dabei waren der 17-jährige Reto, dessen Freundin vor zwei Wochen bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, Denise, die Schwester von Reto, und Nico, ein Freund von Reto. Reto sitzt all eine in der Küche, trinkt Alkohol, hört traurige Musik und betrachtet ein Foto seiner verstorbenen Freundin. Denise kommt nach Hause und bringt ihm Geschenke mit. Sie plant mit ihm eine Party, auf die Reto aber gar keine Lust hat. Nico stösst zu den beiden und ärgert sich darüber, dass Reto schon wieder Alkohol trinkt. Er beschimpft ihn lautstark, dass das so nicht weitergehen könne und er schon von allen Seiten als Alkoholiker angesehen werde. Als Nico und Denise gegangen sind, äussert sich Reto mit dem Satz: «Die checken einfach nichts.»

«Was checken Denise und Nico nicht?», so die Frage an die Schüler. Einerseits wurde genannt, dass Denise nicht einsehen will, dass Reto ein Problem mit dem Alkohol hat und überhaupt nicht auf ihn eingeht. Hingegen Nico zeige zu wenig Gefühle, bleibe aber hinsichtlich des Themas Alkohol realistischer. Wichtig in einer solchen Situation sei zu merken, was die Person, also in diesem Fall Reto, braucht. Dass Alkohol aber keine Lösung ist, war allen klar.

Dass diese Form von Alkoholprävention gut bei den Schülern ankam, war an der regenTeilnahme zu sehen. Es war keine Lehrstunde, sondern ein Austausch an Eindrücken und Meinungen rund ums Thema Jugend und Alkohol.

Von Manuela Oertli

Südostschweiz vom 18. Januar 2012